02. März 2021

Über Kairo und Riad nach Saarbrücken - Anja Laue ist neue Beraterin für internationale Studierende in der ESG Saarbrücken


Anja Laue ist neue Beraterin für internationale Studierende im Saarland bei der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Saarbrücken. In diesem Wintersemester hat sie die Nachfolge von Heike Luther-Becker angetreten, die Ende 2020 in Ruhestand getreten ist.

Laue stammt ursprünglich aus Leipzig, kam nach dem Abitur nach Saarbrücken, um an der Universität des Saarlandes Internationale Kommunikation, Deutsch als Fremdsprache sowie Italienisch zu studieren. Damals wohnte sie auch im Studierendenwohnheim der ESG im Waldhausweg.

Nach ihrem Abschluss ging es einmal nach Kairo an die dortige Deutsche Evangelische Oberschule, wo sie die arabischsprachigen Kinder und Jugendlichen in Deutsch unterrichtete. Von Kairo führte der Weg nach Riad (Saudi-Arabien), bevor sie – mittlerweile mit Mann und zwei Kindern – ins Saarland zurückkehrte.

Die Rückkehr zur ESG – ein glücklicher Zufall, meint Laue: „Auf dem Alumni-Sommerfest der ESG im vorletzten Jahr wurde ich von Heike Luther-Becker angesprochen, ob ich mir ihre Nachfolge vorstellen könne“. Sie konnte.

Ihre Auslandserfahrung kommt ihr bei der neuen Stelle zugute: „Ich kann mich gut hineinversetzen in die internationalen Studierenden, weil ich weiß, wo Hindernisse liegen.“ Häufig gehe es um verwaltungstechnische Fragen, die Suche nach einem Praktikumsplatz, aber auch um gesundheitliche Probleme. Aktuell, in Corona-Zeiten, kämen noch verstärkt Einsamkeit und finanzielle Sorgen dazu, die die Studierenden umtreiben. „Viele haben wegen des Lockdowns ihre Studierendenjobs verloren oder keine neuen gefunden, mittlerweile haben viele Schulden“, führt Laue aus. In diesen Fällen lasse sie sich erstmal die Lage genau schildern, dann prüfe sie die Rahmenbedingungen und versuche ggf. eine Unterstützung aus einem Notfallfonds zu bekommen. Überhaupt sei das Zuhören extrem wichtig. „Ich hatte vor kurzem ein Telefonat mit einem Studenten, der sich am Ende bedankte, weil es für ihn in dieser Woche das erste Gespräch war“, sagt Laue.

Ein persönliches Anliegen ist ihr die Stärkung von Frauen. Schon während ihrer Zeit im muslimisch geprägten Ausland hat sich Laue, die selbst etwas Arabisch spricht, in der Begleitung und Unterstützung von Frauen engagiert. 

Sie ist nicht nur für die Beratung der internationalen Studierenden im Saarland zuständig, sondern hat auch die Koordination der entwicklungspolitischen Veranstaltungen und Angebote des ökumenischen Studienbegleitprogramms für Studierende aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa (STUBE) übernommen. Darüber hinaus pflegt sie als FairTrade-Beauftragte die Kooperation mit der Universität des Saarlandes und der HTW in Fragen, die etwa Auswahl und Beschaffung fair gehandelter Produkte betreffen. Ein ganz schönes Tableau für eine halbe Stelle. Laue ist dennoch zufrieden: „Es war lange nicht klar, ob die Stelle überhaupt wiederbesetzt wird“.  Sie wurde, nach einer Reduzierung des Umfangs und einer Umstrukturierung. So gehört die Verwaltung des Wohnheims der ESG nicht mehr zu den Aufgaben der Beratungsstelle.

Ein wesentlicher Aspekt der Saarbrücker ESG-Arbeit ist das Heim für ihre Arbeit weiterhin. „Hier können Studierende in Kontakt zueinander treten, Gemeinschaft erleben und dabei viel über andere und sich selbst lernen“, sagt sie. Die Verbundenheit zum Wohnheim und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern bleibe bestehen, auch nach dem Auszug. Darum solle in Zukunft gerade die Arbeit mit Ehemaligen ausgebaut werden. Und ein weiteres Ziel hat sich Laue für ihre Arbeit in der ESG gesetzt: „Ich würde mich freuen, wenn wir als Studierendengemeinde die Vernetzung zu Akteuren im universitären Kontext, in der Stadt Saarbrücken sowie zu kirchlichen Einrichtungen im Regionalverband weiter intensivieren.“

 

Die Evangelische Studierendengemeinde (ESG) Saarbrücken repräsentiert die Evangelische Kirche an der Universität des Saarlandes.
Sie lebt aus dem christlichen Glauben heraus und bezeugt ihn, indem sie selbst Fragen stellt und versucht, diese in evangelischer Tradition zu beantworten. Dabei soll sie auch zur Erneuerung der Kirche beitragen. Die ESG nimmt den Kontext der Hochschule bewusst wahr als einen Ort, an dem vielfach ein kritischer Umgang mit Glauben herrscht. Deshalb lädt sie weltoffen jeden Menschen ein, sowohl ihr Angebot wahrzunehmen als auch seine Talente aktiv in die Gemeinschaft einzubringen. Der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung hat einen hohen Stellenwert.
Die ESG ist Trägerin eines internationalen Studierendenwohnheims auf halbem Weg zwischen Universität und Innenstadt. Taufen, Trauungen und Kircheneintritte sind dort möglich.





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