10. November 2021

Aktionstag: "Suchtberatung wirkt"


Die sieben Suchtberatungsstellen im Saarland beraten, behandeln und begleiten, unterstützen und stabilisieren abhängigkeitskranke Menschen und ihre Angehörigen in Krisen sowie in dauerhaft herausfordernden Lebenssituationen.

 

„Damit bieten sie vor Ort eine unverzichtbare Hilfe für suchtgefährdete und abhängigkeitskranke Menschen und ihre Angehörigen,“ betont Pfarrer Udo Blank, Vorsitzender der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Saar. Mit einem bundesweiten Aktionstag unter dem Motto „Suchtberatung wirkt“ macht die Suchtberatung heute am 10. November 2021 auf die wichtige Arbeit der Einrichtungen aufmerksam.

„Ohne die Hilfe hier in der Suchtberatungsstelle der Caritas in Neunkirchen hätte ich meine Alkoholsucht nicht in den Griff bekommen“, berichtet Anna (Name geändert). Seit Juni 2019 ist die 39-Jährige hier in Beratung. Sie hat im Hause mehrere Gruppenphasen durchlaufen, ist längst trocken, trifft sich aber dennoch weiterhin wöchentlich mit ihrer von einem Suchttherapeuten geleiteten Gruppe.  „Für mich ist es wichtig, immer eine Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner zu haben, der einschätzen kann, wie es mir gerade geht“, erläutert Anna. Sie fühlt sich in der Neunkircher Beratungsstelle „wirklich sehr gut aufgehoben.“

„Ziel unserer Arbeit ist es, dass alle, die bei uns Hilfe suchen, ihren eigenen Weg finden, ihre Sucht in den Griff zu bekommen“, erläutert Thomas Heib, Leiter der Fachstelle Suchtberatung- und Behandlung in Neunkirchen, die Arbeitsweise der Einrichtung. „Unser Team ist dabei immer ansprechbar - von der Aufnahme- und Motivationsphase bis hin zu einer stationären Entwöhnung oder der Suchtnachsorge im Anschluss.“ Natürlich gehöre zum Komplettpaket auch die Beratung und Begleitung der Angehörigen.

Auch in der Corona-Krise versuchten die Mitarbeitenden für ihre Klientinnen und Klienten immer irgendwie erreichbar zu sein. „Natürlich mussten die Gruppenangebote reduziert werden“, berichtet Heib. „Wir haben dann unter anderem mehr auf online-Beratung und Videosysteme umgestellt, dabei jedoch festgestellt, wie wichtig es ist, miteinander zu reden und sich dabei in die Augen zu schauen – und nicht immer nur auf dem Bildschirm! Deshalb steht bei uns derzeit die stärkere Öffnung für Gruppen immer ganz oben auf dem Zettel.“ Natürlich nur so gut, wie es die Pandemie zulasse.

„Für alle Beratungsstellen war die Pandemie eine große Herausforderung“, hat Blank festgestellt. Er fürchtet, dass die Auswirkungen der Pandemie aber erst in den nächsten Jahren zu spüren sein werden.

Im Jahr 2019 erreichten die sieben Suchtberatungsstellen an 16 verschiedenen Standorten im Saarland rund 3800 abhängigkeitskranke Menschen und ihre Angehörigen. 73 Prozent davon waren männlich, 27 Prozent weiblich. Die Suchtberatungsstellen beraten bei Suchtproblemen mit Alkohol, Nikotin, Medikamenten oder illegalen Drogen und bei süchtigen Verhaltensweisen, wie etwa Glücksspiel. Die Mitarbeitenden vermitteln bei Bedarf in ambulante oder stationäre Therapien. Die Beraterinnen und Berater unterliegen der Schweigepflicht. Sie unterstützen sowohl Betroffene als auch Angehörige bei Fragen zu Suchtthemen. Außerdem arbeiten sie eng mit den Präventionsfachstellen im Saarland zusammen.

Langfristig spart die Gesellschaft durch die Drogenberatung und
Prävention auch Geld. Andreas M. Heinz, Vorsitzender der Landesstelle für Suchtfragen, stellte eine Untersuchung der Unternehmensberatung XIT GmbH in Nürnberg in einer Beratungsstelle in Görlitz vor. „Sie hat ergeben, dass ein Euro, der von der öffentlichen Hand in die Suchtberatung investiert wird, gesellschaftliche Kosten in Höhe von 28 Euro einspart“, berichtet Heinz. So bedeute Suchtabhängigkeit beispielsweise für viele Betroffene den Verlust des Arbeitsplatzes und der Wohnung. Teure Krankenhausbehandlungen oder stationäre Suchttherapien verursachten erhebliche Kosten. Zudem benötigten oft die Angehörigen finanzielle Hilfe und Unterstützung, etwa bei Konflikten im Wohnumfeld oder bei Problemen in der Familie.

„Für die Untersuchung der Unternehmensberatung wurden die vermiedenen Kosten mittels öffentlicher Statistiken, Studien sowie gesetzlicher Regelungen ermittelt und dann hochgerechnet“, erläutert Heinz.  „Dabei sind die beindruckenden Zahlen herausgekommen.“

 

In der LIGA Saar arbeiten die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege im Saarland zusammen. Durch gemeinschaftliche Initiativen und sozialpolitische Aktivitäten sichern sie die soziale Arbeit und entwickeln diese weiter. Zur LIGA im Saarland gehören die Arbeiterwohlfahrt Landesverband Saarland, die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz Landesverband Saarland, die Diakonie, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die SynagogenGemeindeSaar.

 

Die Saarländische Landesstelle für Suchtfragen ist Bestandteil der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Saar. Die Landesstelle fördert den Erfahrungsaustausch im Bereich der Suchthilfe zwischen den Verbänden der Freien. Ziel ist es, Initiativen und Kooperationen zur Prävention sowie geeignete Hilfen und Initiativen für Suchtgefährdete und Suchtkranke zu koordinieren.

 





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